Kontakt: +49 8504/404-30
Mo-Do 8:00-17:00 h
Fr 8:00-15:30 Sa 9:00-12:00 h
info@rotel.de
Unser großes Abenteuer von Xinjiang bis nach Tibet

Im vergangenen Mai war Rotel wieder mal auf einer legendären Route durch China unterwegs: entlang der alten Seidenstraße, über weite Hochplateaus und bis nach Lhasa, ins spirituelle Herz Tibets.
In Urumchi trafen wir unseren lokalen uigurischen Begleiter, der uns einen ersten Einblick in Xinjiang gab. Diese riesige Region im Westen Chinas wirkt wie eine ganz eigene Welt. Urumchi, die Hauptstadt, ist heute eine moderne Industriestadt mit etwa vier Millionen Einwohnern. Überall entstehen neue Viertel, breite Straßen und Hochhäuser. Gleichzeitig merkt man, wie stark sich die Region verändert. Der Anteil der Han-Chinesen wächst stetig und die Stadt wirkt heute deutlich chinesischer als noch vor einigen Jahrzehnten.
Von dort ging es weiter in die Turpan-Senke, eine der heißesten Regionen Asiens. Schon beim Aussteigen schlägt einem die trockene Hitze entgegen. Kalter, ungesüßter Jasmintee wurde dort schnell zum absoluten Lebensretter.
Besonders beeindruckend war Gaochang, eine alte Oasenstadt mitten in der Wüste. Über viele Jahrhunderte war sie ein wichtiges Zentrum der Seidenstraße. Händler, Pilger und Karawanen zogen hier vorbei. Heute stehen nur noch die mächtigen Ruinen aus gestampfter Erde in der Ebene, aber genau das macht den Ort so faszinierend. Man läuft durch die Überreste einer Stadt, die über tausend Jahre lang dem extremen Klima trotzte.
Ganz in der Nähe liegen die Bezeklik-Höhlen, die direkt in die roten Felsen der Flammenden Berge gebaut wurden. Dort entstanden über viele Jahrhunderte buddhistische Höhlentempel mit farbenprächtigen Wandmalereien. Auch wenn vieles zerstört oder geplündert wurde, spürt man noch immer diese besondere Ruhe und Spiritualität in der Schlucht. Besonders spannend war zu sehen, wie sich entlang der Seidenstraße indische, zentralasiatische und chinesische Einflüsse miteinander vermischt haben.
Ohne das berühmte Karez-Bewässerungssystem hätte in dieser Region übrigens niemals dauerhaft Leben entstehen können. Dieses uralte unterirdische Kanalsystem leitet seit über zweitausend Jahren Schmelzwasser aus dem Tien-Shan-Gebirge durch die Wüste. Da das Wasser unterirdisch geführt wird, verdunstet kaum etwas davon. Ein geniales System und erstaunlich modern für sein Alter.
Neben den historischen Orten sahen wir auch die typischen Trockenhäuser für die berühmten Turfan-Trauben. Und nach langen Besichtigungen bei fast vierzig Grad freuten wir uns besonders auf die süßen Melonen der Region.
Ein weiteres Highlight war Jiaohe. Anders als Gaochang liegt diese alte Stadt nicht offen in der Ebene, sondern auf einem schmalen Plateau zwischen zwei tiefen Flusstälern. Die Häuser wurden teilweise direkt aus dem Boden herausgearbeitet. Dadurch wirkte die ganze Stadt wie eine natürliche Festung. Kaum vorstellbar, dass hier schon vor über zweitausend Jahren eine bedeutende Stadt der Seidenstraße existierte.
Dann führte uns die Reise durch den berühmten Hexi-Korridor Richtung Dunhuang. Seit Jahrtausenden verläuft hier die wichtigste Verbindung zwischen China und Zentralasien. Immer wieder tauchten am Straßenrand alte Mauerreste der Han-Dynastie auf. Von weitem sahen sie wie einfache Erdhügel aus, tatsächlich waren es aber über zweitausend Jahre alte Befestigungsanlagen zum Schutz der Handelsrouten.
Dunhuang selbst war eines der großen Highlights der Reise. Die riesigen Sanddünen rund um den Mondsichelsee wirken fast unwirklich. Mitten zwischen den Dünen liegt plötzlich diese kleine grüne Oase.
Noch beeindruckender waren allerdings die Mogao-Grotten. Über Jahrhunderte entstand hier ein riesiges System buddhistischer Höhlentempel direkt in den Felswänden. Die verschiedenen Kunststile zeigen eindrucksvoll, wie stark Dunhuang als kulturelles Drehkreuz der Seidenstraße geprägt war. Man erkennt indische, zentralasiatische und chinesische Einflüsse gleichzeitig. Der riesige Buddha hinter der roten Fassade war absolut überwältigend.
Hinter Dunhuang begann dann langsam das Abenteuer Richtung Tibet. Plötzlich änderte sich das Klima komplett. Während wir kurz zuvor noch bei Hitze in kurzer Hose unterwegs waren, standen wir wenig später bei eisigem Wind und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt auf über dreitausend Metern Höhe.
In Golmud wurde uns dann endgültig klar, dass diese Reise nicht ganz nach Plan verlaufen würde. Die Ölwanne machte große Schwierigkeiten und immer wieder verloren wir Motoröl. Martin und Alain meisterten diese Situationen aber wirklich beeindruckend ruhig und professionell.
Je höher wir kamen, desto anstrengender wurde die Reise. Am Kunlun-Pass auf fast 4.800 Metern machte die Höhe einigen deutlich zu schaffen. Gleichzeitig rückte die Gruppe durch all diese Herausforderungen immer enger zusammen.
Auf dem Weg nach Amdo blieben die Straßen schlecht, die Landschaft wurde aber immer spektakulärer. Riesige Hochflächen, schneebedeckte Berge, Yaks und Tibetantilopen begleiteten uns auf dem Weg über den Tanggula-Pass nach Tibet.
Schließlich erreichten wir Lhasa. In der Altstadt umrundeten wir gemeinsam mit unzähligen tibetischen Pilgern den Jokhang-Tempel. Viele Menschen bewegten sich dabei mit vollständigen Niederwerfungen Meter für Meter um den Tempel herum. Diese tiefe Spiritualität war überall spürbar.
Auch die tibetischen Teehäuser bleiben in Erinnerung. Man setzt sich einfach an einen Tisch, legt einen Yuan hin und bekommt sofort süßen Milchtee nachgeschenkt. Die Menschen waren unglaublich neugierig und offen uns gegenüber.
Im Sera-Kloster beobachteten wir die berühmten Mönchsdebatten. Das Ganze wirkte fast wie ein lautes philosophisches Duell. Die Mönche klatschten in die Hände, stampften mit den Füßen auf und versuchten mit schnellen Fragen, die Argumentation ihres Gegenübers zu widerlegen.
An den darauffolgenden Tagen brachen wir Richtung Westen auf. Es ging vorbei am türkisfarbenen Yamdrok-See, einem der heiligen Seen Tibets, und anschließend weiter zum beeindruckenden Karola-Gletscher bis zum legendären Mount Everest.
Ein ganz besonderer Moment war der Besuch des Everest-Nordbasislagers auf über 5.200 Metern Höhe. Direkt vor uns lag die gewaltige Nordwand des höchsten Berges der Erde. Wir hatten einen wunderbaren, ungetrübten Blick auf den Everest. Am nächsten Tag bot sich uns dann noch ein wolkenloser Blick auf fünf weitere Achttausender. Die gewaltige Himalayakette lag direkt vor uns.
Am Ende der Reise besuchten wir schließlich noch den Potala-Palast in Lhasa. Nach vielen Treppen gelangten wir in die historischen Räume und Gebetshallen des ehemaligen Sitzes der Dalai Lamas. Besonders beeindruckend war die monumentale goldene Grabstupa des fünften Dalai Lama.
Damit endete unsere Reise entlang der alten Seidenstraße bis tief ins tibetische Hochland. Es war eine Route voller Geschichte, gewaltiger Landschaften, unerwarteter Herausforderungen und unglaublich vieler besonderer Begegnungen. Genau die Art von Abenteuer, das man nie wieder vergisst.
Fotos und Text von Michael

















